kloy.dfe bringt froyde

Home

Jetzt bestellen bei
Amazon.de * libri * Buchhandel.de * booklooker
Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 2013

1

 

Schreibspiel, zweite Runde!

Und dazu der Beitrag von von Detlef Amende

Dieter Wellershoff: Das Schimmern der Schlangenhaut - Frankfurter Vorlesungen, FFM 1996, Fünfte Vorlesung, Information und Erzählung, Seite 113 ff.Zitat:
In seinem berühmten Essayband Der Gesang der Sirenen aus dem Jahre 1959 umkreist Maurice Blanchot in wechselnden Perspektiven die Ursprungsfragen der Literatur, am radikalsten gegen Ende des Buches, wo er unter dem Titel
Der Tod des letzten Schriftstellers sich die Frage stellt, was geschehen würde, wenn eines Tages die Stimme der Literatur für immer verstummte. (...) „Was würde sich daraus ergeben? Doch wohl allem Anschein nach ein tiefes Schweigen."Das ist die Antwort, die man vom common sense zu erwarten hat. Blanchot verblüfft uns mit der entgegengesetzten These: Wenn das dichterische Wort verstummt, wird nicht Stille herrschen, sondern ein Mangel an Stille und Schweigen. Wehrlos und pausenlos werden wir dann das nichtige Geräusch hören, das die Welt macht. (...) „... ein Reden: das redet und redet ohne Unterlaß, es ist so, als redete die Leere mit einem leisen, eindringlichen, gleichgültigen Raunen, das sicher für alle genauso klingt, das ohne Geheimnis ist und doch jeden in sich einschließt, ihn von den anderen, von der Welt und von sich selber abtrennt ..."(...) Erkennbar bezieht sich Blanchot hier auf die daseinsanalytische Beschreibung des „Geredes" und des analogen „Geschreibes" in Heideggers Sinn und Zeit, wo es heißt, das Gerede können weitgehend verstanden werden, „ohne daß sich der Hörende in ein ursprünglich verstehendes Sein zum Worüber bringt. Man versteht nicht so sehr das beredete Seiende, sondern man hört schon nur auf das Geredete als solches. Dieses wird verstanden, das Worüber nur ungefähr, obenhin; man meint dasselbe, weil man das Gesagte gemeinsam in derselben Durchschnittlichkeit versteht.(...) Das Gerede, das jeder aufraffen kann, entbindet nicht nur von der Aufgabe echten Verstehens, sondern bildet eine indifferente Verständlichkeit aus, der nichts mehr verschlossen ist."(...) Blanchot geht es vor allem darum, vor dem imaginierten Hintergrundrauschen eines unaufhörlichen, sich selbst verzehrenden Geredes, die Literatur als Herstellung von Sinn im Schutzraum eines gestalteten, nach außen abgegrenzten Werkes zu beschreiben.Ein Schriftsteller", so sagte er, „ist ein Mensch, der dieser Rede Schweigen gebietet, und ein literarisches Werk ist für jeden, der einzudringen versteht, ein ergiebiges Weilen in einer Stille, eine feste Schutzwehr und eine hohe Mauer gegen diese redende Unermeßlichkeit, die auf uns einredet und uns dabei uns selbst abwendig macht."

Aufgabe ist, einen Text zu verfassen (Genre freigestellt; es könnte also auch ein Gedicht sein), der sich mit einem oder beiden Themen beschäftigt. Maximal 700 Worte, sollte es sich um den Anfang eines längeren Textes handeln, kann der Fortgang skizziert werden.

Situation der Sprachen der Welt (Februar 1999)
(lt. Untersuchung des Summer Institute of Linguistics, USA):

Es gibt
51 Sprachen, die von nur noch einem Menschen gesprochen werden

500 Sprachen mit weniger als 100 Sprechern

1.500 Sprachen mit weniger als 1.000 Sprechern

3.000 Sprachen mit weniger als 10.000 Sprechern

Alle vierzehn Tage stirbt eine der rund 6000 Sprachen aus.

Nur Sprachen mit mind. 100.000 Sprechern sind einigermaßen überlebensfähig. 96 Prozent der Weltsprachen werden von nur vier Prozent der Weltbevölkerung gesprochen (also: 96 Prozent der Weltbevölkerung sprechen vier Prozent der Weltsprachen).

Anregungen:

Vorstellbar wäre die Geschichte einer Aborigine, die im Sterben liegt, mit deren Ableben eine Sprache und damit eine uralte Kultur für immer verstummt sein wird. Ums Sterbebett versammelt Kinder, Enkelkinder, die zu spät bereuen, die Sprache ihrer Vorfahren nicht erlernt zu haben.

Eine Handvoll letzter Überlebender einer winzigen Ethnie im Regenwald von Borneo. Zu verborgen, sich der Welt mitzuteilen, von der sie gar nichts wissen, zu alt, sich fortzupflanzen.

Ein Schriftsteller, der oder die letzte, wird in einen Container gesperrt, Tag und Nacht beobachtet. Ihm/ihr werden Drogen u.a. zugeführt, Dinge vorenthalten, um so herauszufinden, wie Literatur entsteht, was passiert, wenn jemand Literatur schreibt. Das ginge natürlich auch als Satire.

Man sollte sich ein paar Gedanken darüber machen, wie man sprachlich darstellt, was eigentlich nicht darzustellen ist. Knifflig, ich weiß.