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Es
war Schiller.....
Der
See glitzerte in der heißen Mittagssonne. Seine gekräuselte Oberfläche
schien den Knaben, der zwischen Zigarettenkippen und leeren Coladosen tief
und fest schlief, hämisch anzugrinsen.
Wusste
er denn nicht, dass der See mit Fäkalbakterien verseucht war, und die
Ozonwerte schon wieder über das gesundheitlich unbedenkliche Maß hinaus
gestiegen waren?
Wie
tief musste er schlafen, wenn er in dieser Umgebung, verschmutzt mit
Unrat, Hundekot
und dem ein oder anderen vor sich hinfaulenden Fisch, noch träumen
konnte?
Welche
Träume versüßten seinen Schlaf, dass er die harten Worte, der sich
heranschleichenden Männer, mit Engelsstimmen aus dem Paradiese in
Einklang brachte?
Was
dachte er, als er plötzlich, des sanften Schlafes beraubt, schon an
beiden Händen gefesselt, noch den Klang der Flöten im Ohr, der sich nun
aber als eine schmutzige Weise, gepfiffen
von einer ungepflegten Gestalt, enttarnte?
Als
sie ihn in das Wasser zerrten, dachte er zunächst an die Probe, die er
dem See entnehmen sollte. Das vorbereitete Röhrchen lag unbeachtet im
Gras und würde wohl heute nicht mehr in das Institut gelangen.
Als
er den ersten Schwall der ungenießbaren Brühe in seinem Mund und die
Kehle hinunterlaufen spürte, dachte er an Schiller, den seine Großmutter
ihm als Kind so oft rezitiert hatte, und den er um ihretwillen liebte.
Beim
zweiten Schluck, seine Stimme war nur ein ersticktes Gurgeln, stieß er
mit letzter
Kraft und voll Verzweiflung die so oft gehörten Worte aus:
Und
es ruft aus den Tiefen:
Lieb Knabe, bist mein!
Ich locke den Schäfer,
Ich zieh ihn herein.
Was
auch immer die beiden Schurken bewogen hatte,
von ihm abzulassen, so behauptete er später immer: „Es war
Schiller!“
©
Birgit Geissler
2005
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