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Klaus-Dieter Regenbrecht


 

Das gemeinsame Projekt
der Schreibwerkstatt "Kreatives Schreiben"
(VHS Koblenz, Herbst 2002),
Kursleitung und Internet-Realisation:
Klaus-Dieter Regenbrecht

Anthologie 3, Beitrag von Birgit Geissler

Die Zeitung 

Alles war wie immer an diesem düsteren Novembermorgen. Es wollte genau wie an den vergangenen Tagen einfach nicht hell werden. Leichter Nieselregen und Temperaturen um die 5 Grad luden nicht dazu ein, das Haus zu verlassen. Wie jeden Morgen hatte ich das Radio eingeschaltet und die Kaffeemaschine sang ihr verheißungsvolles Lied. Um ein wenig Licht in diesen Tag zu bringen zündete ich gewohnheitsmäßig zwei Kerzen an, die anheimelnd flackerten und verzerrte Schattenbilder an die gelb gestrichene Wand warfen. Die Uhr tickte in ihrer eigenen Monotonie – stete Erinnerung an die Vergänglichkeit.

Nur leicht bekleidet machte ich mich auf den Weg zum Briefkasten. An einem solchen Tag war die Zeitung einfach unentbehrlich. Der leichte Regen, hartnäckig tröpfelnd ließ mich nass werden auf dem Weg zum Gartentor. Der Kies knirschte unter meinen Füßen, die immer eiliger den Weg entlang liefen. In Gedanken saß ich schon wieder am Kaffeetisch.

Die zwei Kerzen, anheimelnd flackernd, die Kaffeetasse gefüllt mit aromatischem Getränk, die tickende Uhr an der gelb gestrichenen Wand. Die Zeitung ausgebreitet auf dem Tisch.

Wie jeden Morgen in den letzten Tagen streckte ich erwartungsvoll meine Finger nach dem Briefkasten aus, um ihm die Neuigkeiten zu entnehmen, die mir den Beginn des Tages versüßen und die Langeweile an einem solchen Morgen vertreiben sollte. Noch während ich die Klappe anhob, schob ich mir eine feuchte Haarsträhne aus meinem nassen Gesicht. Ungläubig starrte ich in das Innere des Kastens. Fröstelnd zog ich meine klamme Hand zurück.

Es war wie jeden Morgen, drinnen tickte die Uhr, die Kerzen flackerten, der Kaffee wartete auf mich, doch die Zeitung war weg – und nur weil mein Mann wie jeden Morgen in der letzten Zeit schneller war als ich.

© Birgit Geissler 2004