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Kommentar 18

Political Correctness, die kalte Form der Bücherverbrennung?
– Was uns „Fahrenheit 451“ heute lehren kann –


„Don’t step on the toes of the dog-lovers, the cat-lovers, doctors, lawyers, merchants, chiefs, Mormons, Baptists (…) The people in this book, this play, this TV serial are not meant to represent any actual painters, cartographers, mechanics anywhere. (…) All the minor minor minorities with their navels to be kept clean. (…) No wonder the books stopped selling, the critics said. But the public, knowing what it wanted, spinning happily, let the comic-books survive. And the three-dimensional sex-magazines, of course. (…) There was no dictum, no declaration, no censorship, to start with, no! Technology, mass exploitation, and minority pressure carried the trick, thank God.“
(Ray Bradbury: Fahrenheit 451, first published in 1953) – Das Zitat muss so lang sein, sorry.

Wir alle, so weit wir aufgeklärte Europäer sind, wollen keine Bücherverbrennungen mehr von Harry Potter Exemplaren durch religiöse Eiferer in den USA und auch keine Fatwa gegen Salman Rushdie. Selbst Bücher von Grass sind schon verbrannt worden, 1965 in Düsseldorf von den „Entschiedenen Christen“.
Eine der Erklärungen im Roman von Ray Bradbury, warum Bücher verbrannt werden, ist der Umstand, dass sich in der beschleunigten Gesellschaft in „Fahrenheit 451“ Minderheiten immer wieder falsch dargestellt und damit benachteiligt fühlen. Was im Endergebnis eben zu Bereinigungen führt in Form von Bücherverbrennungen, da Bücher allzu oft Minderheiten falsch darstellten und insgesamt viel zu differenziert und kompliziert sind.  Die Mehrheit der Bevölkerung verwirre die Vielfalt der Unterschiede nur, also müsse alles einheitlich sein – und natürlich einfach, überschaubar, klar. Wer hat noch nicht mit bekommen, dass sich nach der Ausstrahlung von Krimis im Fernsehen bestimmte Berufsgruppen diskriminiert fühlen, weil der Mörder eine Altenpflegerin oder ein Bäcker oder Lehrer war.

Political Correctness als sprachliche Bereinigung ohne Flammen ist auch bei uns in vollem Gange. „Mohrenkopf“ oder „Zigeunerschnitzel“ geht gar nicht mehr, und der „Herr Professorin“ ist längst kein blöder Scherz mehr.  Und es sind nicht nur Minderheiten, leider, denn das sind Frauen nicht. Wenn es nach dem Willen der Gleichberechtigung "Herr Professorin" heißen muss, damit es keine diskriminierte "Frau Professor" gibt, dann haben Kinder bald eine Mutter und einen Mutter, oder was? (s.a. Kommntar 16) Beim Empfang der Sternsinger aus ganz Deutschland bei der Kanzlerin im Januar 2014 war kein Königskind mehr schwarz geschminkt. Selbst das Neue Testament wird also schon bereinigt.

Es ist ein Allgemeinplatz, muss aber gesagt werden: Die Unterschiede machen uns aus und im Ausleben der Unterschiede sind wir gleichberechtigt. Jeder ist in seiner und ihrer individuellen Zusammenstellung von Charaktereigenschaften und Rollen im Privaten wie im Öffentlichen eine Minderheit, und das ist gut so. Das bedeutet im Gegenzug natürlich auch: Weg mit dem Assimilationsdruck! Warum sollte es nicht möglich sein, dass jemand sein Leben in Deutschland verbringt, ohne je ein Wort Deutsch zu reden, ohne je eine Agentur für Arbeit oder ein Wahllokal von innen gesehen zu haben? Warum müssen Homosexuelle leben wie jedes stinknormale Ehepaar?

Wir könnten so frei und unterschiedlich sein, warum machen wir uns so gleich? Warum lassen wir uns von der Technologie, der Massenausbeutung und dem Druck der Minderheiten so austricksen?