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Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 20
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mit Kommentaren

Natürlich habe ich auch im Internet recherchiert (neben der Befragung von Experten in Sachen Neurologie und IT) und das verschiedentlich in den Fußnoten kenntlich gemacht. Bei den meisten Bezugnahmen aus digitalen Quellen habe ich jedoch darauf verzichtet, weil es zu den Sachverhalten sehr viele, oft sogar widersprechende Quellen gibt, die sich zudem häufig als sehr volatile darstellen, sie sind flüchtig, sie können sich sehr schnell ändern
Bücher und Gehirne, was könnte besser zusammengehen? Auch wenn der Vergleich, wie jeder andere, hinkt, Anschaulichkeit fehlt ihm nicht. Man spricht der Großhirnrinde etwa zwei Petabyte Speicherkapazität zu, das sind 2000 Terabyte oder zwei Millionen GB;  ein GB sind 1000 MB. Beim Satz für den reinen Text dieses Buch brauche ich mal gerade ein MB für die pdf-Datei (beim Umschlag wird es allerdings deutlich mehr). Bei einer Hochrechnung käme die Großhirnrinde also auf den Datensatz für rund 2000 Millionen Bücher, wenn es nur um den Inhalt ginge. Die Bodleian Libraries Oxford (http://www.bodleian.ox.ac.uk/), unter den berühmtesten und ältesten Bibliotheken der Welt, umfassen fast vierzig Bibliotheken oder 120 Meilen Regal, elf Millionen Druckwerke. Nicht viel imVergleich zu den 2000 Millionen einer einzigen Großhirnrinde.Wie gesagt, nur ein Vergleich.
Nähme man statt Büchern Sandkörner, wie viele LKW-Fuhren Sand wären das? Aber Nervenzellen sind ja noch viel kleiner, so klein, dass man sie nur im Bündel und mit raffinierten Algorithmen ansprechen kann. Auch die perfekten Nachbildungen des Gehirns, ob man sie nun „carbon copy“ (Durchschlag) oder „substrate-independent brain“ (http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2879803/Thescientists- planning-upload-brain-COMPUTER-Research-allowinhabit- virtual-worlds-live-forever.html) (substrat-unabhängiges Gehirn) nennt, werden kaum mehr als ein grober Keil in einem filigranen Klötzchen sein. Monyer und Gessmann (s.u.) bringen das Beispiel der Neocortikalen Säule in der Großhirnrinde, groß wie eine Stecknadel etwa. Im menschlichen Gehirn sind das 60.000 Neurone, eine Ratte hat nur 10.000. Man benötigte 10.000 Laptops, um allein die Säule der Ratte nachzubilden.
Und dann hat man immer nur die physische Perspektive. Und es bleibt die Frage, ob Gedanken, Gefühle allein auf ihre materielle, elektrisch messbare Qualität zu reduzieren sind. Gefühl – Gedanke – Begriff – Wort – Datensatz. Man mag sich vorstellen, wie das in verschiedenen Sprachen und bei einer rückgängigen Reihenfolge aussehen kann oder könnte. Wahrnehmung ist nun mal kein ausschließlich physischer Vorgang. Ein Großstadtkind, das New York City nie verlassen hat, wird einen Baum ganz anders sehen als ein Kind, das den Urwald Borneos nie verlassen hat. Essen und Sex, Leberwurst und blow-job, was dem einen das Wasser im Munde zusammenlaufen und freudige Erregung aufkommen lässt, erzeugt bei der anderen nur Widerwillen, Ekel, Abscheu. Bäume und Bücher.
 

Hier ist meine Liste:
Birbaumer,Niels und Zittlau, Jörg: Dein Gehirn weiß mehr als du denkst, Berlin 2014 

Duerr, Hans Peter: Traumzeit – Über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation, Frankfurt am Main 1978
Seine Bücher gehören zu meiner menschlichen wie literarischen Frühprägung als Erwachsener. „Zählt die Erinnerung in stärkerem Maße als die körperliche Kontinuität als Kriterium der persönlichen Identität? Wo beginnt der Bereich, in dem der Körper sich nicht lediglich verändert hat, sondern ein anderer Körper ist?“ (S. 116), vgl. auchMonyer und Gessmann. Duerrs, wie auch Theweleits Arbeiten sind über weite Strecken wissenschaftskritisch zu sehen und häufig genug auch wissenschaftsironisch (bezogen auf die Zeit, in der sie entstanden und veröffentlicht wurden). So hat der Primärtext der Traumzeit 161 Seiten, die Anmerkungen, Verweise und Literaturhinweise kommen auf 252 Seiten, die dazu noch in einer kleineren Schrift gesetzt sind. Eine dezente, Augen zwinkernde Anspielung erlaube ich mir mit meiner Literaturliste ;-) Wer behauptet, die Achtundsechziger hätten nichts verändert oder bewirkt, hat keine Ahnung. Man schaue sich die Welt von 1945 bis 1965 an, zwanzig Jahre. Dann schaue man sich die Welt von 1970 bis 1990 an, zwanzig Jahre. Mittendrin 1968. Nichts weniger als eine, imWesentlichen, also mit Einschränkungen, weltweite Kulturrevolution. Theweleit, Duerr, Kittler u.a. sind, ob sie nun auf die Straße gingen oder nicht, Achtundsechziger und waren dabei, die Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum in neue Bahnen zu lenken.

Eisler, Rudolf: Kant-Lexikon, Nachschlagewerk zu Kants sämtlichen Schriften, Briefen und handschriftlichem Nachlaß, Hildesheim 2002, Nachdruck der Ausgabe von Berlin 1930

Goethe, Johann Wolfgang: Aus meinem Leben – Dichtung und Wahrheit, Frankfurt amMain 1975
Ich habe die beiden Begriffe nie in Opposition gesehen, hier die Dichtung, da die Wahrheit, sondern als Komplemente, gute Literatur ist Dichtung und Wahrheit zugleich. ders.: Faust, München 1997
Eine der für mich am stärksten in Erinnerung gebliebene Produktion am GodesbergerTheater während meiner Zeit als studentische Hilfskraft (Kulissenschieber) war Goethes Faust mit dem Bühnenbild von Alfred Hrdlicka. Vgl. hierzu auch meinen Roman „Im Goldpfad 10“ (s.u.), dessen Protagonist Walter Wisman in seiner Biografie meiner ziemlich nahe kommt.

Joyce, James: Ulysses, Harmondsworth (England) 1960, dtsch: Frankfurt amMain 1979 Ich habe sowohl das Original als auch die Übersetzung (von Wollschläger) gelesen und gehöre wohl zu den wenigen, die auch „Finnegans Wake“ (London 1975) mit großem Vergnügen (komplett laut vor-) gelesen haben. Das gilt auch für „Finnegans Wehg - Kainnäh ÜbelSätzZung des Wehrkeß fun Schämes Scheuß“ von Dieter H. Stündel (Frankfurt amMain 1993).

Kant, Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft, Köln 2011

Kittler, Friedrich: Grammophon Film Typewriter, Berlin 1986
ders.: Optische Medien – Berliner Vorlesung 1999, Berlin 2002
Kittler und Theweleit haben, wie einige andere auch, nicht direkt mit der Arbeit an diesem Roman zu tun. Beide jedoch sind für die Herausbildung und Prägung meiner Vorstellung von Literatur in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts immer noch so präsent (vgl. „Das geniale Gedächtnis“ in dieser Liste), dass die Urerfahrung permanent überschrieben wird, updates erfährt. Kittler konnte ich 1996 für die rheinland-pfälzischen Literaturtage in Koblenz verpflichten. Er hielt den Festvortrag „Confluentia“ im Koblenzer Schloss und saß mit mir zusammen in einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Auf der Datenautobahn in die Medienlandschaft – wo leben wir eigentlich?!“ Kittler hat mich wohl auch auf Rilkes Faszination des Grammophons (s.u.) aufmerksam gemacht. 

Koncsik, Imre: Die Entschlüsselung der Wirklichkeit – Ist das Universum ein Programm und Gott ein Programmierer? Berlin, Heidelberg 2015 

Monyer, Hannah und Gessmann, Martin: Das geniale Gedächtnis –Wie das Gehirn aus der Vergangenheit unsere Zukunft macht, München 2015
Als ich im Januar 2016 anfing, das Buch zu lesen, war ich gerade mit der ersten Fassung meines Romans fertig. Gleich die ersten beiden Sätze des Vorworts „»Fisch und Vogel mögen sich ja mögen, wo aber bauen sie ihr Nest?« Mit dieser Lebensweisheit aus dem Tierreich sprach uns ein Kollege Mut zu, als wir beiläufig einmal die Idee erwähn- ten, gemeinsam ein Buch zu schreiben“, ließen mich aufhorchen, versuchen hier doch eine Neurobiologin, Hannah Monyer, und ein Philosoph, Martin Gessmann, sich dem Phänomen Gedächtnis, und damit auch dem Gehirn, aus zwei Richtungen anzunähern. Natürlich erinnerten sie mich sofort an meine beiden Protagonisten, Anna Kant, Neurologin, und Carsten Kant, abgebrochener Philosophiestudent und Computerladen-Inhaber, der sich ständig Projekte ausdenkt, bei denen er Philosophie, IT und Neurologie miteinander verbinden will. Selbst die Schauplätze, Universitäten und Forschungseinrichtungen stimmten in meiner Fiktion von Anfang an häufig mit denen in der Realität überein, zum Beispiel Tübingen, Heidelberg oder auch Universitäten in den USA, s.a. Hans Peter Duerr.

Ramachandran, V.S.:The Tell-Tale Brain – A Neuroscientist‘s Quest for What Makes Us Human, New York 2011
Nicht ohne Belang, dass Ramachandran, „director of the Center for Brain and Cognition and a professor with the Psychology Department and Neurosciences Program at the University of California, San Diego”, einen literarischen Titel wählt. Und zwar in Anspielung auf Edgar Allan Poes short story „The Tell-Tale Heart” (1843), auf Deutsch „Das verräterische Herz.“ 

Rao, Rajesh P. N.: Brain-Computer Interfacing – An Introduction, New York 2013 

Regenbrecht, Klaus-Dieter: ImGoldpfad 10 – ein Schlüsselroman, Koblenz 2013
ders.: Die Rheinland-Papiere oder Die Tricks der Bücher, Koblenz 1999
Zitat: „Für den krönenden Augenblick eines auftreffenden Wassertropfens wollten sie aus Raum und Zeit herausfallen, die Verräumlichung des Zeitflusses aufheben, ohne zu wissen, ob sie noch lebten, für einen Moment war alles da und nichts, sie waren für einen ewigen Augenblick abgetaucht in die unergründlichen Tiefen der Fische und Steine, umspielt von Fragmenten und Sedimenten all dessen, was es einst gegeben hat und einst geben wird, was sich einmal an den beiden Flüssen abgespielt hat, alles, was die beiden Ströme einmal gewesen sind und immer sein werden, solange sie fließen. Schimmernde, klingende Vorzeichen, Erinnerungen, Nachhall aus der Tiefe der Nacht und der Flüsse: In die absolute Stille klang ein wahrhaft abgrundtiefer Urton, das amorphe, präexistente Echo des Es-Dur-Erwachsens von weither, das Wachsen und Werden der Welt aus dem Wesen des Wassers (S. 231, vgl. auch Duerr und Rilke). 

Rilke, Rainer Maria: „Urgeräusch“ und „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ in: Werke in sechs Bänden, Frankfurt 1980
Auf Seite 547: „Die Kronen-Naht des Schädels (was nun zunächst zu untersuchen wäre) hat - nehmen wirs an - eine gewisse Ähnlichkeit mit der dicht gewundenen Linie, die der Stift eines Phonographen in den empfangenden rotierenden Zylinder des Apparates eingräbt.Wie nun, wenn man diesen Stift täuschte und ihn, wo er zurückzuleiten hat, über eine Spur lenkte, die nicht aus der graphischen Übersetzung eines Tones stammte, sondern ein an sich und natürlich Bestehendes -, gut: sprechen wirs nur aus: eben (z. B.) die Kronen-Naht wäre -:Was würde geschehen? - Ein Ton müßte entstehen, eine Ton-Folge, eine Musik ... Gefühle - welche? Ungläubigkeit, Scheu, Furcht, Ehrfurcht -: ja, welches nur von allen hier möglichen Gefühlen verhindert mich, einen Namen vorzuschlagen für das Ur-Geräusch, welches da zur Welt kommen sollte ...“ Auch hier also schon die direkte Verbindung der organischen Struktur des Gehirns mit der Begrifflichkeit, sowie Kunst und Gefühlen gleichermaßen. Zur Verbindung von Ur- Geräusch und Urton bei Wagner (Rheingold) s. Regenbrecht „Die Rheinland-Papiere.“ 

Stiller, Sebastian: Planet der Algorithmen – Ein Reiseführer, München 2015
Ich habe mir erlaubt, einige seiner Algorithmen-Beispiele zu übernehmen, ohne sie wörtlich zu zitieren. Das Buch ist okay und die Linkliste amEnde durchaus hilfreich. 

Theweleit, Klaus: Männerphantasien Band 1: Frauen, Fluten, Körper, Geschichte; Band 2: Männerkörper – zur Psychoanalyse des weißen Terrors, Berlin 1980
S.a. Friedrich Kittler. Meine erste Leseerfahrung mit Theweleit waren natürlich die Männerphantasien. Auch wenn es mir nicht gelungen ist, Kittler und Theweleit nach Koblenz zu holen, durfte ich ihn 2000 in Mainz persönlich kennenlernen. Er hatte im SWR eine Leseveranstaltung. Anschließend saß man noch beim Italiener zusammen. Kittler mit den Promis vom SWR und aus der Kultusbürokratie. Als die sich dann verabschiedeten, sprach ichTheweleit an und gab mich als Kenner oder auch Fan seiner Schriften zu erkennen, woraufhin er sich an unseren Tisch setzte und wir uns zwei Stunden lang sehr angeregt unterhielten. Er schenkte mir eine signierte Neu-Auflage der Männerphantasien von 2000: „Für Kloy(s), Mainz 14.9.2000, Klaus Theweleit.“ Mein Theweleit-Bestand umfasst derzeit mehr als zehn Bücher, darunter natürlich auch „Das Buch der Könige“ und „Pocahontas in Wonderland.“

Wilson, Frank R.:The Hand – How Its Use Shapes the Brain, Language, and Human Culture, New York 1999
Das Buch habe ich 2000 mit großem Gewinn gelesen; mein Interesse an den Themen Gehirn, Sprache und Literatur geht sehr weit zurück. Im Sinne der Entwicklungsspirale bin ich heute anscheinend wieder an einem dieser Punkte, nur ein paar Windungen höher.

 

Auf youtube gibt es zwei Videos mit Leseproben. Eine 5-Sterne-Besprechung auf Amazon: Interessant-amüsante Jagd von Jürgen G. (link oben)

Stand 11. Juni 2020

© 2020  Klaus-Dieter Regenbrecht