Home
Jetzt bestellen bei

Amazon.de *booklooker * Autorenweltshop

Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 2021

Warum ich meine Leser nicht gendere.

Das Sternchen, der Doppelpunkt, der underscore oder die Pause stehen für sexuelle Orientierung: lesbian, gay, bisexual, transgender, queer (or sometimes questioning), and two-spirited. Wer also seine Leser:innen anspricht, sagt de facto „liebe heterosexuelle Leserin, lieber hetersexueller Leser, liebe homosexuelle Leserin, lieber homosexueller Leser, liebe/r bisexuelle Leser, Leserin, liebe/r transgender Leser, Leserin, liebe/r queer Leser, Leserin“ usw. Mit LGBTQ2 werden also auch Schüler:innen der Grundschule angesprochen.

Und (provokant gefragt): Warum lassen sich LGBTQ2 freiwillig mit einem Stern kennzeichnen?

Warum um alles in der Welt soll ich meine Leserinnen und Leser mit einer Auflistung ihrer möglichen sexuellen Orientierungen begrüßen? Vorstellbar ist das allerdings für eine explizit erotische Veranstaltung. Anonsonten interessiert mich ihre sexuelle Orientierung nicht und ich denke, sie geht mich auch nichts an. Warum sprechen Politiker ihre Wähler:innen mit ihrer sexuellen Orientierung an und nicht mit ihrer politischen? Warum nicht mit ihrer Schuhgröße, ihren Essensgewohnheiten oder ihrer religiösen Identität von Atheisten bis zu zölibatären Ordensleuten?

Die öffentliche, zwanghafte Identifikation von Menschen über ihre sexuelle Orientierung halte ich für einen Verstoß gegen das Grundrecht der Selbstbestimmung. Es ist eine unnötige Sexualisierung der Sprache, also sexistisch, und damit absolut kontraproduktiv.

Damit auch das klar ist: Ich bin für die wirkliche Gleichberechtigung der Geschlechter und außerdem der Meinung, dass niemand aufgrund seiner sexuellen Orientierung Diskriminierung erfahren darf. Die sprachwissenschaftliche Diskussion bezüglich grammatikalischem und biologischem Geschlecht ist ja auch in vollem Gange. Und das ist, gerade wegen der Besonderheiten der deutschen Sprache in dieser Hinsicht, auch gut so. Nach meiner Einschätzung wird es ziemlich bald auf eine Ächtung des Genderns im öffentlichen Bereich hinauslaufen.

Ich werde mich nie in erster Linie als heterosexuellen, deutschen, alten, weißen Mann begreifen, sondern immer als Menschen, als denkenden und fühlenden Menschen.

Dem progressiven Impuls der überwiegend feministischen Intelligentia folgt die Ernüchterung. Mit gut gemeinten, aber falschen Mitteln, oft kommentiert mit "tut ja keinem weh", kann man nichts Gutes erreichen. Das sollte man im Interesse der Sache anerkennen. Der Sache "diversity & inclusion" erweist man nämlich einen Bärendienst und gibt den falschen Leuten Argumente an die Hand.

Klaus-Dieter Regenbrecht, Koblenz im September 2021

Hier geht es zur ‹bersicht aller Kommentare

© 2021 by Klaus-Dieter Regenbrecht