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Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 20
18

B.C.:
Im Paradies
(Auszug)

Aus äußerster Dunkelheit violett
im Westen die Sonne. Im Westen
sechs Uhr morgens, der Frühling
violett, überall im Westen. Dunkel die Welt,
der ganze Westen. Violett der Frühling,
aufgehende Gewalt der Sonne. Ein Lied
ist noch zu singen im Frühling.

Befleckte Nebelfetzen über spiegelglattem Brackwasser.
Gewaltig violett in aller Früh.
Dunkel in Morast und Mangrove
braun und glänzend Bäume.
Die Welt singt im Frühling ein Lied jenseits aller Harmonie.

Violette Sonnenstrahlen, der dünne Dunst in Scheiben,
Reflektionen auf schwarzem Wasser und
irisierender Staub in den taufeuchten Zweigen.
Verklungenes verkrustetes Lied.

Es wird hell.
Mit Gewalt im Westen.
Neblige Fetzen vernetzen violett die Welt des Frühlings.
Das Blätterdach deckt den irrlichternden Kreislauf.
Die Sonne gehört in eine andere Welt.
Vergangen die Urgewalt.
Ihre Strahlen allein sickern blutig durch das grüne Laub.

Die Sonne scheint.
Es ist Frühling, die Dunkelheit wird verwässert,
weicht. Irres Licht tropft von Blatt zu Blatt,
kapillar steigen Moleküle, Chlorophyll saugt
die Sonne ein, synthetisiert serielles Wachstum.
Synthetisches Hämoglobin und Harze tropfen
golden und rot, trocknen und verkrusten.
Wunden wuchern in Serien, Fäulnis phosphorisiert
frühlingsfarben, wabert schwefelig.

Überall im Westen jenseits.
Fäden verborgener Doppelhelix verlieren sich.
Gelb gebiert grassierendes Grün.
Serien in endloser Schleife.
Es ist Frühling im Westen.

Der violette Westen beginnt um sechs in aller Welt.
Kein Wesen regt sich im Westen,
kein Lüftchen rührt sich im Frühling.
Es ist ganz still in der aufsteigenden Sonne.
Alles wartet auf das letzte Lied im weißen Schatten.
Vergessen die Dunkelheit, vergessen das Violett.
Vergessen die Urgewalt.
Vergessen, was vergangen.
Vergeblich verborgen.
Hüllenlos verhallt.

Es ist Frühling und die Sonne steigt.
Eine Serie glänzender Kadenzen beim Aufstieg
aus dem Westen. Die Mangrove dümpelt
reglos im Sonnenschein. Der Morgen beginnt
seine Noten zu vergessen.
Das Violett schon vergangen, spurlos.

Es ist ein heller Frühlingsmorgen in der endlosen
Schleife des sich regenerierenden Westens.
Verwesung, Fäulnis synthetisieren den seriellen Stillstand,
schöpfen vergeblich aus dem vollen.
Die Bäume in der Mangrove wachsen nicht,
sie synthetisieren sich selbst unabänderlich.
Mutationen und Mäander gab es einst.
Gene und Botensubstanzen zwischen den Generationen.
Chöre und Orchester.
Nichts vermischt sich mehr.
Nichts ändert sich, alles bleibt vergessen.

Das Meer ruht still draußen, weit draußen hinter dem Horizont.
Ein Ozean voller Ozon.
Vergessen am Morgen.
Der Westen mutierte und verging,
die Sonne steigt synthetisch.

Ein synthetischer Horizont voller Ozon und
Vergessen.

Stille.

In der Mangrove die Erinnerung an das Lied
des Lebens.
Die Veränderung vor der Serie.
Der Frühling im Westen.

Der Westen, permanenter Frühling, stetiger Sonnenaufgang,
Verhüllung in Violett.
Die Bäume sind geblieben, still und synthetisch.
Sie haben den ewigen Frühling.
Sie wachsen gen Westen.
Sie kennen keinen brüllenden Wind
und keinen flüsternden Regen.

In den Astgabeln sanfte Schwellungen.
Stiller Frühling Blätterdach unverbandelt.
Schwellung bauschig unbedacht.
Laub aus Leib geschwellt.
Gewebt aus verklungenem Lied.
Nackter Leib gewölbt Verwesung.
Vergeblich sanft belaubtes Sehnen.
Nackte Serie Synthese verästelt im Frühlingssehnen.
Vergessen vergangen beyond.

Weit draußen im Westen vermählt sich
der Frühling mit der Welt.
Schwellung nackt gebauscht der Leib aus Laub.
Vergessen synthetisch comprehension.
Synthese jenseits sanfter Schwellung.
Versuchung früh im Sonnenlicht feucht geschwellt.
Die Gabel flieht ins Unendliche.
Starr verwest der Harz Synthese der Vergeblichkeit.
Ein Rhythmus pulsiert nackt unter Krusten.
Unerhörte Vibrationen molekulares Erschauern.
Schalen verhärtet verseuchtes Laub
beyond comprehension. Blütenlos vergangen
die Farben des Verlangens. Versuchung
synthetischen Frühlings.

Unbarmherzige Wiederkehr der Welt
aus Dunkelheit ohne Verlangen.
Der Wind starb vor dem Sehnen.
Er sang.
Gefangen in schwellender Scheide
versunken feuchter Widerschein.
Schenkelpaar Umklammerung fast sanft
der Zweig gespannt. Verhüllte Scheide
Krustenklammer hell am Laub. Sanfter Ast
fasst ein Paar.

Die Sonne spielt Verhüllung.
Spannt den Bogen um die Schenkel,
die sich spreizen.
Vergeblich spielt die Klammer sanft ein Lied
von Harmonie und Dissonanz.
Sanfter Klammerversuch am Ast.
Glitzernde Tropfen spielen sich aus der Scheide.

Das violette Band.
Unendliche Schwellung unbarmherzige Permanenz.
Versunken im Verlangen unerfüllt.
Die Sonne steigt.

Der Frühling zeigt sich ganz im Westen unverhüllt.
Die Flucht der Gabel scheint verspielt gestorben.
Die Mangrove ist keine Parabel, sie kennt
keine Gezeiten, sie kennt nur den Frühling.
Der Wasserspiegel ist marmorglatt und zeigt alles noch einmal.
Den ganzen Westen weißer Schatten jenseits der Lieder.
Erregend erheben sich die glatten Stämme,
schimmernde Schäfte. Sanfte Schwellung,
unbestimmte Äderung auf der Flucht nach Westen.

Das Spiel nach unten ins Brackwasser.
Jenseits der Wasserscheide.
Alles fließt nach Westen im Frühling.
Tropfen schimmern zart auf Astgabeln.
Scheidenglitzer Sonnenspiel schlummernde Schäfte.
Sekrete sind versiegt, der Fluss vergessen.
Die Mündung im Jenseits murmelte.
In der schwarzen Tiefe.
Allgegenwärtige Klammer.

Schenkel nehmen in die Zange, Zungen zwingen
sich in den tiefen Schlummer, umschließen tote Schäfte.
Lückenlose Hülle schimmernde Adern ohne Unterfluss.
Schenkelschluss um schlummernde Schäfte.
Saft jenseits schwarzer Mündung.
Versiegende Tropfen auf der milchigen Zunge.
Toter Frühling.
Tiefer Schlummer des Westens am Morgen.

Bald wird es Mittag sein.
Jenseits der Uhr, ausgeschiedenes Verständnis tief.
Die Klammer. Ohne Fortsetzung zwanglos.

Es ist hell im Frühling,
die Sonne scheint auf Scheiden und auf Schäfte,
starke Äste verzweigen sich gegen einen violetten Himmel.
Wo wäre eine Öffnung, durch die ein Laut klänge.
Wo wäre ein Eindringen möglich.
Zaghaftes Schmiegen in Harmonie.
Versiegende Sekrete in toten Scheiden.
Harz ergießt sich polymer.
Nichts passt, nichts klingt.

Alles jenseits.
Alles aus dem Takt.
Alles jenseits einst geglaubter Harmonie.
Harmonische Lücken ädern in den Schäften, steril und seriell.

Es geht gegen Mittag, ein letztes Mal.
Ein letzter Morgen.
Morgen, Ende der Serie, Ende des Frühlings.
Früher Morgen, längst vergangen.
Harmonie verklungen, zaghaft jenseits im Diesseits.
Nur noch Schlummer.
Nur noch Westen.
Tote Gesten des Gestern auf der Zunge.

Frühe Milch des Frühlings.
Niemand da, zum Erinnern, keine Erinnerung an violett.
Jenseits der Aufgänge: der letzte Vorhang.
Violett verklungen, verwest. Verblasst
im gleißenden Mittag.

Gen Norden geht's.
Gen Mittag.
Gen Sommer.
Gen Zenith.
Der Gipfel ohne Serie.
Das Glück des letzten Frühling, der polymeren Milch.
Schwarz, schwarz mein Licht, und schwärzer
mein Verlangen, vergangen.

Das Wasser war einst brackig.
Das Wasser war einst Frühling.
Die Stämme standen, die Scheiden glänzten violett.
Aus äußerster Dunkelheit in gleißendes Licht.
Violett fast im Zenith.

Der Norden beginnt im Sommer.
Zum letzten Male verweht ein Frühling.
Zum letzten Mal im Westen.
Zum letzten Mal nach dem Äußersten.
Der Zyklus stockt. Die Permanenz versiegt.
Vom Äußersten zum Äußersten. Jenseits.


© by Klaus-Dieter Regenbrecht, Koblenz 2000, aus Buch 8

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