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Alle Rechte vorbehalten © All rights reserved by Klaus-Dieter Regenbrecht 1998 - 20
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country


SCHON
den ganzen Tag hatte es gedunkelt,
alles dehnte seine Schatten aus.
Bäume, Wolken, Pferde, Menschen verloren
die Gestalt und breiteten die Schatten aus.
Und nun war nichts mehr da.

Wie herrlich erregend war die Welt.
War sie nicht zu sehen, war sie auch nicht da.
Doch konnte man alles umso intensiver riechen:
schwarze Düfte, dunkle Geräusche, formlose Gegenstände
ließen sich umarmen und berühren.
Da war warm und rau und glatt und kalt und es war feucht
und zuckte rhythmisch.
Die lichtlose Schwärze machte alles gleich.
Auch Aloys war wie alles andere anders Olga.

IN DES Ranchers Haus brannte Licht, klangen
gedämpft raue Stimmen, begleitet vom vertrauten Sang
der Grillen. Im wilden Westen sangen stets die Grillen.
Richtig, die cowboys grillen.

Die Männer, die noch immer ihre Hüte trugen, waren
auf der Veranda versammelt. Um einen Grill.
Es roch verbrannt.
Einige versandten oder verbrannten -
wie hatte Olga doch gesagt?
Mikrophone in aller Mund, rohes Fleisch grillte.
Die Grillen in der Koppel besuchten die
weggeworfenen Mikrophone.

Gemeinsam sangen sie Westernsongs:
Olli, Olli, es ist soweit,
vergiss die Mädchenträume
und mach die Beine breit!
Oh, frivol ist mir am Abend.

SOWEIT hatten sie's gebracht. Wer hätte das
gedacht. Äll machte sich Gedanken um seine Stute, die in
ihrem Stalle ruhte. Was war das für eine Nacht?
Sie im Stall und er in der Koppel.
So kämen sie nie zu ihrem Doppel.
Nervös scharrte er mit den Hufen.
Was kann das werden?

Ein Hengst im Sattel einer Stute. Das war so
überflüssig im Gegensatz zu Ute
wie ein Floh im BH einer überprallen Dame
wie ein carefree im Slip
wie der Hering in seinem Tip
wie das Tampong in der Scheide
wie das Schampong in der Weide
wie der Aalfongs in der Heide.
Mein Gott, dachte Aloys, du könntest nicht
widerstehen, nie wieder stehen.
Das ist Sodomie, verdammt!
Nicht zur Ruhe kam der Aloys.

War nicht jemand da bei ihr im Stall?
Gottseidank, er kam heraus. Hengst Aloys ist erleichtert.
Man brachte ihr wohl etwas Stroh. Nein, oh nein.
Da kam bereits der nächste.
Die beiden grinsen sich verständnisvoll an,
schon verschwindet
der zweite Kunde in der Werkstatt.
Das darf nicht sein!

Bin ich denn überhaupt ein Hengst?
Aloys, du bist ein gottverdammter Wallach.
Jawoll, du Wallach. Wallrach?
Oder wie hieß der Springer? Wahlfach?
Lieber ein Hengst im Stall als ein Bock auf
dem Mist, des sei gewist. Little sist.

ABER auch bei den cowboys klappete es nichet.
Während der schwärend erregeten Diskus Ikonen
über die Vorrezüge der Stute im Alle gemeinen und im Besonne
deren gegenüberre Hennegsten und Wallelachen, hatte man
verregessen um die Steex.
Sie waren verrekohelt und ungeniesse bar bar bar bar brei.

Der italienische Gastarbeiter musst in die nächste Pizzeria.
Er beugte sich dem Willen, sprach
schwarzweißbehost und weißbeunterhemdet
si, Senores, ich bin flugs flügge Genitalien unterwegs,
um das heiße Fladengeback, das in meiner Heimat
wachset, käuflich zu erstehen.

Das Geback, belegt mittoma Ten, Kaas, Paparika
stareifen, Au!, ber gingen Scheiben zu Bruch, die
Artischockenherzen.
Gedämpfpftete Zwiebelringe, Basilikum, aus
der Basilika, bitter scheen!

FEIERABEND machte auch das Aufnahmeteam.
Das Team bestand aus Professionellen,
Kommilitonen und ommilitoninnen,
die sich einige Groschen dazuverdienten.
Denn alles ist doch Illusion, ein Film im grellen Licht
der Unnatürlichkeit der perversen Ausgeburten
eines nervenkranken americanophilen Regisseurs.

Lohnte sich der Flug ganz gewiß Genitalien, bestellte
doch der Produzent für alle was zu essen:
Technik, Statisterie und Solisten,
Stars und Chaoten, Assistenten und Studenten -
die Knochen den Kojoten.
Schwerlich, es war Pizza.
Die Scheinwerfer waren noch nicht kalt, schon
biss man in das heiße, würzige Fladengeback
belegt mitto Amtem, Cherass - nun, das kennt man ja bereits.

Dekorativ schälten sich ein paar zierlich zerzauste
Zigeuner aus den Kulissen, stimmten ihre Instrumenten
und der Oberstromer stellte vor: Bubeck Strommbesiack
am Aggregat und Laura Pinzetti am Skalpell.

Bitte noch ein Gedicht!

© by Klaus-Dieter Regenbrecht, Koblenz 2000 - Leseprobe aus "Gedichte"

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